Mit etwas Verspätung kommt die Couchsurferin am ausgemachten Treffpunkt an (hab schon begonnenen mir Sorgen zu machen). Gemeinsam gehen wir dann ca ne viertel Stunde durch Kyoto zu ihrer Wohnung. Die besteht gerade mal aus einem Zimmer, in das sich gerade eine ausziehbare Couch, ein Fernsehtischchen, ein kleines Regal und ein Futon ausgehen. Angeschlossen sind ein winziges Bad und eine winzige Küche. Da mein Host super viel arbeitet (3 Part-Time-Jobs vom 8am bis 11pm) bekomm ich einen eigenen Schlüssel und kann somit kommen und gehen wann ich will. Sie ist supermüde, lang unterhalten wir uns daher nicht mehr, bevor um ca 1 Uhr Schlafenszeit ist.
Am nächsten Morgen (meine Mitbewohnerin ist schon lang wieder arbeiten) treff ich mich mit meinen Mitreisenden und wir machen uns, durch das zu Beginn undurchschaubar erscheinende Busnetz Kyotos, auf den Weg zum <i>Goldenen Tempel</i>. Dieser befindet sich inmitten eines wunderschönen japanischen Gartens, der sich echt sehen lasse kann. In Begleitung von hunderttausend anderen Touristen gehen wir den vorgesehenen Weg ab, werfen Glücks-Münzen und bestaunen den Tempel. Nachdem das abgehakt ist, geht's gleich weiter mit dem Bus ... in die falsche Richtung und dann zum Nijo-Castle, der Herberge des Shoguns während seines Aufenthalts in Kyoto. Vom Regen überrascht schaffen wir es dann doch noch halbwegs trocken zum Eingang, besorgen uns einen Audioguide, der uns mit wenigen interessanten Informationen versorgt, und machen uns ans Besichtigen. Der alte japanische Baustil gefällt mir sehr. Die Innenräume sind alle mit Tatamimatten ausgelegt, die Schiebewände künstlerisch verziert. Lustiges Detail sind die quietschenden Dielen, die extra so konstruiert wurden, um ein Herum- bzw. Anschleichen unmöglich zu machen. Am Abend wird noch die Einkaufsstraße Terramachi und sämtliche darin befindlichen Arcades unsicher gemacht, die 100 Yen Münzen rieseln uns durch die Finger. Auf den Heimweg mach ich mich um halb 11, alleine, und treffe beim Versuch in überaus holprigem Japanisch (und mit der Bezeichnung übertreibe ihr bereits maßlos) nach dem Weg zu fragen, auf einen unter einer Million Japanern, der mir in perfektem Englisch weiterhelfen kann.
Meine Mitbewohnerin kommt noch später als ich zurück nach Hause und ist so erledigt, dass sie vor dem eingeschaltenen Fernseher einschläft. Ich will sie nicht wecken und versuche bei japanischem Fernsehgeplerre, das ich, so gut es geht, mit Musik aus meinem Mp3-Player zu übertönen probiere, einzuschlafen. Was für eine anstrengende Nacht!
Am nächsten Tag will ich die anderen bei meiner Station (Nijo) treffen. Als ich dort ankomme spielt gerade ein Schulorchester auf, ein anderes marschiert im Kreis und ein drittes ist aus der Ferne zu hören. Am Inari-Schrein ist dieser Tage ein Festival, das wir uns nicht entgehen lassen wollen. Mit der Bahn sind wir gleich dort und am Fusse eines kleinen Berges/Hügles finden sich jede Mänge Ständchen, die Kulinarisches, jegliche Art Souvenirs und sonstigen Kleinkram anbieten. Dahinter befindet sich der Shinto-Tempel. Auf den Berg hinauf gehen wir dann durch uunzählige orangrote Torii-Tore, die uns immer wieder an "spirituellen Waschanlagen", kleinen Schreinen und Raststationen vorbeiführen. Ganz oben werden wir mit ner netten Aussicht und überteuerten Getränken belohnt. Der Ausflug dauert dank unseres atemberaubenden Tempos den ganzen Tag. Den Abend verbringen wir mit der obligatorischen Lokalsuche und Shoppingtour.
Am Montag gehts ab nach Himeji um dort die berühmte Burg zu besuchen. Schon am Bahnhof, als wir nach der Verbindung fragen, werden wir gewarnt, dass die Burg grad restauriert wird und daher verdeckt ist. Wir müssen trotzdem hin, schließlich wurde sie mir wärmstens ans Herz gelegt. In Himeji ist es noch ein bisschen heißer und schwüler, als in Kyoto (kaum zu glauben, dass das überhaupt möglich ist) und wir schützen uns vor der Mittagshitze in Souvenirläden und beim Mittagessen. Die Burg, die eigentlich über der Stadt tront, ist leider wirklich fast vollkommen verhüllt, die Burganlage selbst aber trotzdem schön zu besichtigen. Wir werden sogar mit dem Aufzug außen an der Festung hinaufgefahren. 2015 sollen die Arbeiten fertig gestellt sein, da werden wir wohl wieder nach Japan schauen müssen. Mit dem Shinkansen gehts in unglaublicher Geschwindigkeit wieder zurück nach Kyoto, dort wird noch was gegessen, ein bisschen über die kommende Destination diskutiert und damit ist der Tag auch schon wieder um.
Dienstag ist der Tag der coolen Japaner. Zuerst machen wir uns auf zum Philosophenweg, soll ein netter Spaziergang sein, werden aber schon ganz zu Beginn von einem alten Japaner auf dem Fahrrad angesprochen: "May I speak?" Das erlauben wir ihm nach mehrmaligem nachfragen auch und bekommen daraufhin den Tipp doch lieber abzubiegen und einen japanischen Garten zu besuchen, der keinen Eintritt verlangt. Wir folgen den Richtungsangaben und finden tatsächlich hin. Das entdeckte kleine Klösterchen in wunderbarer Natur und mit angeschlossenem Friedhof ist ein toller touristenloser Geheimtipp. Nach dem Mittagessen (ich esse mein erstes Udon) geht's erneuten ab in die Einkaufsstrasse, in der wir Alex in einer Arcade und die Mädels beim shoppen verlieren. Als wir (wir sind nur noch zu dritt) dann zurück in die Unterkunft wollen ist gerade irgendein Spektakel auf der Hauptstraße am Laufen weshalb kein Bus fährt. Als Roman ein japanisches Pärchen (Yosuke und Nana wie wir später erfahren) fragt, wie wir denn jetzt zum Hauptbahnhof zurückkommen, werden wir kurzerhand auf eine Taxifahrt eingeladen, die wir widerwillig annehmen (das Paar muss sich sogar aufsplitten weil wir zu 5t nicht in ein Taxi passen). Am Bahnhof angekommen wollen wir uns bedanken und die beiden auf einen Kaffee einladen. Gemeinsam hocken wir uns also in ein Lokal und zu unserem Entsetzen wird uns dort klar gemacht, dass nicht wir, sondern die beiden erneut zahlen wollen. Nach langem hin und her, geben wir uns geschlagen und unterhalten uns so gut es geht in einem Mix aus gebrochenem Japanisch und schlechtem Englisch mit den beiden (Romans Japanischkenntnisse reissen uns echt raus). Das Paar ist nämlich selbst nicht aus Kyoto, sondern aus Osaka und zum Einkaufen hier. Nach mehreren Stunden in denen die beiden noch versuchen uns bei der Reiseplanung der nächsten Tage zu unterstützen, werden E-mail Adressen und Skype Namen ausgetauscht und ausgemacht, am Ende unserer Reise noch in Osaka vorbeizuschauen. Sprachlos über die Gastfreundshaft in diesem Land treten wir den Heimweg in die Herberge an. Dort wird noch für den nächsten Tag in Fukuoka (Kyuushu) eine Herberge gebucht, bevor ich mich zum letzten Mal auf den Weg zu meiner Couch mache.
So genug für heute. Bis bald, ich hoffe daheim geht's allen gut,
David