In brütender Hitze geht es los, immer recht flach dahin (zum Glück!), bis wir zur ersten Brückenüberquerung kommen. Über ein 6,4 km langes Stahlmonster geht es bei atemberaubender Aussicht hinüber nach Oshima. Wir wollen noch möglichst weit kommen, daher treten wir in die Pedale und beeilen uns zur nächsten Insel (Hakatajima) zu kommen. Die gelegentlichen Steigungen sind mit all dem Gepäck und auf Grund des Mangels an niedrigen Gängen oft nur schiebend - und sowieso permanent schwitzend - zu bewältigen, umso mehr genießen wir dann die Abfahrten, die uns eine schöne Abkühlung verschaffen. In Hakatajima angekommen wird es langsam dunkel und wir müssen uns nach einer Unterkunf umsehen. Eine Einheimische - sie ist gerade mit ihrem Hund spazieren -, die wir nach einer billigen Unterkunft in der Nähe fragen, läuft sofort nach Hause, holt ihr Telefonbuch und fragt bei allen Hotels in der Umgebung nach. Leider hat keines ein Zimmer frei oder ist nicht in unserer Preiskategorie. Wir beschließen daher diese Nacht am Strand zu übernachten. In weiser Voraussicht kaufen wir uns im naheglegenen Kombini noch einen Mückenspray, bevor wir es uns am Strand gemütlich machen. Es wird ein entspannender Abend mit ein paar Bier, die uns am Vortag Einheimische geschenkt haben, die Nacht allerdings wird hart. Eingemummt in allies was wit haven, versuchen wir wenigstens ein paar Stunden zu schlafen, werden aber die ganze Nacht von Mücken, Kakerlaken, Spinnen und sonstigem Getier heimgesucht. Nach mehreren Schlafplatzwechseln, exzessiver Spraynutzung und ein paar Stunden herumgedöse wird es langsam wieder hell und wir geben um kurz nach 5 Uhr auf und machen uns abfahrbereit.
Um 6 Uhr ist alles gepackt und wir radeln, nachdem wir Frühstück eingekauft haben, weiter zur nächsten Insel: Omishima. Weil wir so viel Zeit haben, nehmen wir einen Umweg und fahren die gesamte nördliche Küste ab. Da keine Wolke am Himmel zu sehen ist, ist der Sonnencremeverschleiß abartig und wir schwitzen so viel, das wir uns nicht sicher sind, ob es überhaupt was bringt. Die schöne Landschaft entschädigt aber für die Leiden. Der kleine Küstenausflug nimmt auch den gesamten Vormittag in Anspruch (jedes Mal wenn wir auf die Uhr sehen, sind wir überrascht wie früh es noch ist) und so gegen Mittag kommen wir in das Touristendörfchen, in dem wir uns alte Samurairüstungen ansehen wollen. Zuerst wird in einem kleinen Familienbetrieb gespeist, in der uns die Bedienung recht freundlich ein paar Tips für die Weiterfahrt gibt. Witziges Detail: die Besitzerin hat uns offensichtlich schon am Morgen im Kombini in Hakatajima gesehen :D. Die Samurairüstung und -waffenausstellung erweist sich als recht enttäuschend (nur recht wenige Ausstellungsstücke) und nach einem kurzen Besuch fahren wir weiter, um noch nach Ikuchijima zu kommen, wo wir uns wieder eine Herberge suchen wollen. Bei der Fahrradstation in Ikuchijima fragen wir erneut nach einer billigen Unterkunft, der Mindestpreis für eine gute Unterkunft scheint aber bei 6000 Yen zu liegen. Den Weg zur billigsten Bleibe um 3500 Yen will uns die Dame an der Information aus irgendeinem Grund nicht verraten, verhandelt für uns aber telefonisch und so kommen wir am Ende um 3000 Yen "nur für Übernachtung und Dusche, kein Essen" in einem netten Hotel unter, das sogar einen eigenen Onsen hat. Am Abend essen Roman und ich noch Yakuniku (Fleisch das wir selbst am Tisch grillen) und gehen in den hauseigenen Onsen, um ein dringend nötiges und wohlverdientes Bad zu nehmen. Todmüde fallen wir dann im Zimmer recht bald in Ohnmach.
Ausgeruht geht's am nächsten Tag weiter. Wir wollen uns eigentlich den Kosanji-Tempel, mit seinen 1000 Buddhastatuen ansehen, fahren aber unabsichtlich daran vorbei und weil wir heute die Tour noch zu Ende bringen wollen, beschließen wir diesen Tempel auszulassen. Es geht also, mal wieder in brütender Hitze weiter zur Insel Innoshima. Im dortigen Schloss (Suigun-jo) ist heute ein kleiner Umzug, den wir uns ansehen möchten. Leider kommen wir eine viertel Stunde zu spät und bei unserer Ankunft ist alles schon wieder weggepackt :( Das Schlösschen ist trotzdem schön und einen Besuch wert. Danach geht's ab zum eigentlichen Grund der Fahrradtour: zum Grab von Shuusaku. In dem kleinen Dörfchen in dem der Friedhof liegt ist auch ein Memorial-Center, mit einem kleinen Museum und einer Nachbildung des Geburtshauses des Gomeisters. Alles ganz interessant (auch das kleine Filmchen über sein Leben), sogar obwohl alles in Japanisch ist. Nach einer kurzen Besichtigung gesellen sich Roman und ich zu der Handvoll Japaner, die im angrenzenden Spielraum sitzen und schauen ihnen ein wenig beim Spielen zu. Ich stelle mich dann als 2k aus "Oostoria" vor und frage um ein Spiel. Der Rangunterschied (Österreich-Japan) ist größer als ich dachte und so gewinne ich 2 Spiele gegen "Gleichrangige" recht eindeutig. Das macht dann wiederum einen ansässigen 3d aufmerksam, der auch eine Partie gegen mich spielen möchte. 2 Steine Vorgabe sind eindeutig zu viel und auch mit einem Stein Vorgabe gewinne ich. Roman spielt und unterhält sich in der Zwischenzeit fleißig mit Maiko, eine Studentin aus Tokyo, die Englisch spricht und auch gerade Ferien hat. Roman und ich kommen langsam in Zeitnot (es ist schon 4 und um 6 müssen wir die Räder zurückgeben, wenn wir sie nichtbnoch einen Tag länger behalten wollen). Der 3d bringt uns und Maiko noch zum eigentlichen Grabstein und will uns dann auch noch auf ein Eis einladen. Wir sagen zu und werden mit dem Auto zu einem kleinen Festchen gebracht, das scheinbar von einem Wohnheim für Menschen mit besonderen Bedürfnissen veranstaltet wird. Es werden Eis und allerlei sonstige Köstlichkeiten genascht, bevor der 3d Maiko zurück in ihr Hotel bringt. Dabei wird auch ein kleines Missverständnis aufgedeckt: er hat nämlich geglaubt, dass Roman und ich im selben Hotel eingecheckt sind. Das sind wir aber nicht, es ist auch nicht unsere Preisklasse und wir meinen (es ist mittlerweile recht spät): "Alles kein Problem, wir suchen uns noch was oder pennen einfach wieder im Freien." Romans Japanisch hilft sehr weiter und auch Maikos Englisch. Das kann der 3d (peinlich, ich hab mir seinen Namen nicht gemerkt) natürlich nicht zulassen und lädt uns, nach kurzer Rückfrage bei seiner Frau, ein, bei ihm zu übernachten. Dankend nehmen wir dieses Angebot an. Das angeblich kleine Haus stellt sich dann als doch sehr geräumig heraus (immerhin ist unser Gastgeber 3facher Familienvater) und wir bekommen ein Zimmer mit Klima und Fernseher. Ein Goban ist schnell geholt und auch ein Freund schaut vorbei, gegen den ich auch spielen darf. In der Zwischenzeit kommt die Gastgeberin heim, auch bei der bedanken wir uns herzlich für die Übernachtungsmöglichkeit. Roman spielt dann noch eine 4 Steine Vorgabepartie mit unserem 3d, bevor Bier, Knabberzeug und Abendessen (gebratener Schinken und andere Fleischstücke) aufgetischt werden. Mit unseren beschränkten Japanischskills unterhalten wir uns so gut wie möglich (ich hör mehr zu ;) über die japanische olympische Mannschaft und was uns sonst noch so einfällt. So um 11 verabschiedet sich unser Gastgeber und sein Kollege und wir legen uns auch aufs Ohr.
So um 8:30 stehen wir am nächsten Morgen auf und bekommen auch prompt ein Frühstück serviert. Dann machen wir uns frisch und bevor es wieder zurück zum Memorialmuseum geht (um 10 sperrt es auf) spielen Roman und ich noch eine Partie, danach werden noch Gruppenfotos geschossen und ca 1000 mal Danke gesagt. Am Weg zurück kauft uns der 3d noch Mochi aus der Gegend, die mit Mandarinen gefüllt und wirklich eine Köstlichkeiten sind. Am Museum werde ich noch mal zu einer Partie genötigt aber dann geht's endgültig weiter zur Endstation unserer epischen Fahrradtour. An der Küste entlang kommen wir an jeder Mänge kleiner, aber gut besuchter Strände vorbei und setzten schließlich mit der Fähre über nach Onomichi und geben dort unsere Fahrräder wieder ab. Am dortigen Bahnhof buchen wir noch schnell eine Unterkunft in Nara und machen uns dann auf die Odyssee (5 mal Umsteigen?) dort hin.
So genug für heute und bis bald, David